Erster Mercedes-Benz Pickup

Eine kurze aber nicht unwichtige Geschichte wird durch das Kapitel 170 V Pritschenwagen beschrieben. Ohne diese Variante hätte es so schnell keine neue Produktion gegeben und der Wiederaufbau wäre umso mehr ins Stocken geraten, als er es nach dem Krieg ohnehin tat.

Erster Mercedes-Benz Pickup

Eine kurze aber nicht unwichtige Geschichte wird durch das Kapitel 170 V Pritschenwagen beschrieben. Ohne diese Variante hätte es so schnell keine neue Produktion gegeben und der Wiederaufbau wäre umso mehr ins Stocken geraten, als er es nach dem Krieg ohnehin tat.

Lebensmittel, Kleidung, medizinische Produkte, Heiz- und Baumaterial fehlten. Die angespannte Transportlage machte es dringend erforderlich Personenwagen zu Lieferwagen umzubauen. Im November 1945 erteilt die Wirtschaftsbehörde der US-Besatzungszone dem Automobilhersteller die Produktionserlaubnis für Pritschen-, Kasten- und Krankenwagen auf Basis des Personenwagens 170 V. Im Frühjahr 1946 wird die Lizenz auf den Personenwagen erweitert. Im Mai 1946 verlässt ein Pritschenwagen als erster von 214 in jenem Jahr hergestellten Fahrzeugen die Endmontage im Werk Sindelfingen. Im Juni folgen der erste Kastenlieferwagen, im September ein Krankenwagen und im Oktober ein Polizeistreifenwagen. An den Stückzahlen und Zeitabständen ist zu erkennen, dass die Produktionsbedingungen alles andere als normal waren. Erst Mitte 1947 folgte den kleinen Nutzfahrzeugen die viertürige Limousine 170 V.

Nur das Nötigste: Die Fahrzeuge sind äußerst einfach ausgestattet. Beispielsweise ist das Interieur sehr funktional gestaltet, und beim Exterieur sucht man verchromte Teile vergebens. Das unterstreicht, wie sehr es bei dieser Produktion um das Erfüllen von Basisbedürfnissen für Transport und Mobilität ging. Der herrschende Materialmangel barg zusätzliche Erschwernisse. So wurden die Fahrzeuge ohne Reifen ausgeliefert – diese musste der Kunde aus anderer Quelle beibringen.

Beim Karosserieaufbau der Nutzfahrzeugvarianten des 170 V musste aufgrund Materialmangels improvisiert werden. Bleche gab es kaum. So besteht das spartanische Fahrerhaus als separate Baueinheit aus einer einfachen, jedoch immerhin leichten Holzfaser-Hartplattenkonstruktion, wie schon zu Kriegszeiten bei einigen Lastwagen. Als Seitenscheiben kommen Schiebefenster zum Einsatz, die Türen werden mit simplen Kastenschlössern arretiert. Nicht zuletzt mangels Isolation ist es insbesondere im Winter kalt in diesen Fahrerhäusern – aber wenigstens ist man gegen direkten Fahrtwind geschützt. Die Armaturen mit schwarzem Zifferblatt entsprechen zunächst den Instrumenten der früheren Wehrmachtkübelwagen. Ans Fahrerhaus schließt sich die Pritsche an. Die Polizeipritschenwagen erhielten Plane, Spriegel und auf der Ladefläche zwei gegenüberliegende Sitzbänke. Nach der Anlaufphase ergaben sich dann doch vorzeigbare Stückzahlen: Bis zum Jahresende 1946 wurden in verschiedenen Varianten 183 der kleinen Nutzfahrzeuge sowie 31 Krankenwagen gebaut.

Insgesamt entstanden von den Pritschenwagen von 1946 bis 1949 die recht geringe Anzahl von 658 Stück. Nur sehr wenige Pritschenwagen haben seither überlebt.